Focus & Digital Balance

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Internetsucht als eigenständiges Störungsbild?

Die meisten Personen verbinden mit dem Internet Spaß und viele Vorteile: Herumsurfen, online einkaufen, in sozialen Netzwerken posten…. Bei extremer Nutzung kann das Internet aber gefährlich werden: Eine Internetsucht kann sich entwickeln. In der neusten Version des geläufigen Katalogs für psychische Störungen, dem DSM (“Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders”), wurde die Störung bisher zwar nicht als eigenes Störungsbild aufgenommen – hierzu  reichte der Forschungsstand anscheinend noch nicht aus. Es gibt jedoch einige Forscher, die hierzu raten (Block, 2008). Dabei schlagen die Forscher folgende vier Kriterien der Internetsucht vor:

  1. Exzessive Nutzung, assoziiert mit einem Gefühl des Zeitverlusts und der Vernachlässigung von Grundbedürfnissen;
  2.  sozialer Rückzug, verbunden mit Gefühlen von Ärger, Spannung und/oder Depression, wenn der Computer nicht verfügbar ist;
  3. Toleranzentwicklung, mit dem Bedürfnis nach ständig besserer Computerausstattung, besserer Software und mehr Nutzung;
  4. negative Rückwirkungen, mit Streitigkeiten, Lügen, geringer Leistung, sozialer Isolation und Müdigkeit.

Du möchtest sehen, wie stark die Kriterien der Internetsucht bei Dir ausgeprägt sind? Hier findest du einen frei verfügbaren Online-Test (der natürlich keine medizinische Diagnose ersetzen kann!): http://psychcentral.com/quizzes/netaddiction.htm

digital addiction

Insbesondere in Süd Korea und China ist Internetsucht ein wichtiges Thema. In Süd Korea besorgt vor allem die Tatsache, dass Jugendliche wegen zu starker Computernutzung vermehrt die Schule abbrechen (müssen). In China sprach der Direktor eines medizinischen Instituts von 13,7% der Jugendlichen, die bestehende Kriterien der Internetsucht erfüllen würden – das sind mehr als 10 Millionen Jugendliche! In westlichen Ländern gibt es bisher keine solch erschreckenden Zahlen – was jedoch auch an der sehr viel geringeren Verbreitung der möglichen Diagnose liegt. Internetsucht könnte hier sehr viel häufiger unter andere Diagnosen fallen, wie z.B. die Depression. Ob als eigenständiges Störungsbild oder nicht – die Sensibilisierung für die Gefahren und das Vorbeugen von möglichen Folgeproblemen einer ständigen Vernetzung können in jedem Fall empfohlen werden!

*Quelle: “Issues for DSM-V: Internet Addiction” (The American Journal of Psychiatry, 03/2008)