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Marokko | Benjamin’s OFFTIME Story

Benjamin (29) schreibt u.a. Texte für Bejomo – eine App, die Menschen zusammen führen will, eine App mit rührseliger Entstehungsgeschichte: Ein gewisser Marc dachte nach, über seine Kollegen, “die auf der Suche nach dem Partner fürs Leben immer öfter im Internet auf die Suche gehen” und fehlende Fähigkeiten, Beziehungen auch offline aufzubauen. Grundidee für Bejomo war es also, einen Gegentrend zu schaffen. Es ist also nur folgerichtig, dass Texter Benjamin zum OFFTIME-Nutzer wurde: “OFFTIME hilft mir, Zeit für mich zu finden und mich wieder neugierig und aufnahmefähig für die echte Welt zu machen.” Sein eingereichtes Foto zeigt Natur pur, wer in dieses Boot einsteigt, kriegt kalte Füße.

Hier ist Benjamins OFFTIME Story:

Marokko

Ich war auf Facebook, glaube ich. Oder auf Twitter. Oder auf irgendeiner anderen Webseite. Egal, wichtig ist nur: ich war vertieft in mein Smartphone und blickte nicht nach vorne. Der Weg war mir bekannt, die Umgebung hatte sich seit gestern bestimmt nicht verändert und ich sah auch ansonsten keinen Grund, von meinem Smartphone aufzublicken. Die Gefahr, im Internet etwas zu verpassen, war in meinen Augen doch viel größer.

Auch sie sah auf ihr Smartphone, mit Kopfhörern auf den Ohren, bestimmt im Rhythmus der Musik gehend. Vielleicht sah sie sich auch ein Youtube-Video an oder einen Podcast zu Quantenmechanik. Direkt gegenüber vom Reisebüro gingen wir aneinander vorbei. „Komm nach Marokko“ stand im Schaufenster ganz groß. Beide mit gesenktem Kopf und keiner blickte nach oben. Ihre Schuhe, die ich aus den Augenwinkeln sehen konnte, waren olivgrün und ihre Knöchel weich und weiß.

Wenn ich in diesem Moment nach oben gesehen hätte und sie hätte das Gleiche getan, wir hätten uns in die Augen gesehen und es wäre wie in den Filmen gewesen. Wir hätten gelächelt und hätten uns, ein wenig schüchtern nur, gegrüßt und wären verlegen stehengeblieben. Wir hätten kurz geplaudert, viel gezwinkert und uns dann in die Eisdiele gesetzt. Hände hätten sich berührt, die Gespräche wären vertrauter geworden, wir hätten uns mit Eis gefüttert. Zur Verabschiedung, denn sie musste zu einem Treffen, ein Kuss auf die Wange, im letzten Moment noch Handynummern ausgetauscht und den ganzen Nachmittag weiter SMS geschrieben.

Ich stelle mir vor, es wäre dann alles ganz schnell gegangen, einige Dates, beim vierten davon Sex, ein Besuch im Zoo, zufällig die Eltern kennengelernt und wenn wir irgendwann beim gemütlichen Flanieren wieder an der Stelle des ersten Treffens vorbeikommen wären, käme von ihr die Frage: „Sollen wir nicht nach Marokko fliegen?“ Ich hätte gelacht und Hand in Hand wären wir ins Reisebüro. Drei Wochen Marokko und auf einem Markt hätte ich ungefähr zwei Stunden lang gefeilscht, um ihr eine schöne Armbanduhr zu kaufen. Wir hätten die Batterie aus der Uhr genommen, uns an den Strand gelegt und die Zeit wäre still gestanden, während wir zusammen zweimal die Sterne gezählt hätten.

Doch ihre olivgrünen Schuhe waren schon an mir vorbei, als ich endlich aufblickte. Ich drehte mich kurz um und sah sie gerade um eine Ecke verschwinden. Als ich mich wieder aufs Smartphone konzentrierte, erreichte mich ein Tweet: „Weine nicht verpassten Chancen nach, sondern schaffe dir neue.“